Fünf Worte beschreiben Israel:wunderschön, äußerst interessant und voller Kontraste. Aber was sagen schon fünf Worte? Es gibt nichts Besseres, als sich das Land selbst anzuschauen!
Lasst euch bei diesem Austausch überraschen, den wir gemeinsam mit israelischen Jugendlichen durchführen. Wir besuchen Acco, Haifa und Tel Aviv mit Sandstränden und Jerusalem mit seiner wunderbar verwinkelten Altstadt. Wir treffen mit Zeitzeugen zusammen, die den Nazis entronnen sind und die Israel mit aufgebaut haben.
In Workshops beschäftigen wir uns mit dem Zionismus, den Palästinensern und den Drusen und dem Leben in Israel und in Deutschland. Stadtrallyes, Besuche in Jugendklubs, Museen und Gedenkstätten und natürlich viele Gespräche werden das Bild des jeweils anderen Landes tiefer und farbiger machen. Zwei beeindruckende und schöne Woche stehen euch bevor!

„Israel- Was willst du denn da? Da ist es doch total gefährlich.“
So denken viele Menschen über das so genannte „Heilige Land“, denn den meisten Leuten schwirren bei diesem Wort zerbombte Häuser, Krieg und Gewalt durch den Kopf. So habe ich diese oder ähnliche Worte auch von zahlreichen Leuten vernehmen dürfen, als ich ihnen erzählt habe, dass ich in den Herbstferien für eine Jugendbegegnung zusammen mit 13 anderen Teilnehmern aus Dresden für 10 Tage in dieses Land fliegen werde.
Bereits beim Abflug kam es – ganz nach israelischer Art- zu Verspätungen und es wurde von den über 15 Jährigen jeder einzelne mit Fragen bombardiert, um sicherzustellen, dass sich wir keine Terroristen sind , natürlich auf Englisch. Neben den üblichen Fragen (Woher? Wohin? Mit Wem? usw.) wurden wir auch zum Inhalt unserer Koffer genauer befragt. Da in unserem Vokabular jedoch einige Lücken, wie z.B. „Schwippbogen“ auftraten, bzw. die Beamten in Berlin-Schönefeld diesen Traditionsgegenstand deutscher Kultur nicht kannten, durften wir dann unter dem Schmunzeln der anderen Passagiere unsere Gastgeschenke auspacken, damit auch gewährleistet war, dass wir keine Bomben bei uns hatten. Nachdem wir irgendwann los geflogen waren und wir im Flugzeug zertifiziert koscheres Essen zu uns genommen hatten, landeten wir gegen Abend in Tell Aviv und fuhren sofort weiter nach Haifa.
Dort verbrachten wir die nächsten 3 Tage, sprachen z.B. mit einer Holocaustüberlebenden und Jekkes-Israelis, also Juden, die Deutschland vor 1939 verlassen konnten, besuchten Jugendzentren für Jugendliche in Not und nebenbei blieb auch noch etwas Zeit, an den Strand zu gehen oder die Stadt zu besichtigen. Und wir hatten Workshops zur aktuellen Politik, Gesellschaft usw. Israels (siehe aktuellpolitischer Artikel).
Am Freitag begann dann die eigentliche Jugendbegegnung mit den israelischen Jugendlichen. Da wir immer abzählen mussten (zur Kontrolle, ob alle da waren), die Betreuer der Israelis aber kaum Englisch konnten, bestand unsere erste „Aufgabe“ darin, unsere Abzählnummer auf Hebräisch herauszufinden, was ziemlich schwierig war, denn obwohl die Israelis teilweise länger Englisch lernten als wir, gab es auf ihrer Seite teilweise große Verständigungsprobleme.
Dieser Teil der Reise war mehr oder weniger ein „Bespaßungsprogramm“, d.h., wir waren mit ihnen Baden, Schlittschuhlaufen, Tanzen usw., was für uns sehr günstig war, um die Israelis näher kennen zulernen. Um ehrlich zu sein hatte ich mir diese wesentlich fanatischer auf ihre Religion bezogen vorgestellt. Wir hatten aber zum Beispiel die Ehre, einem Sabbat-Festessen mit vorangehendem Gebet beizuwohnen, wo meine israelische Freundin den Gebetswein fast wieder ausgespuckt hätte, weil sie ihn absolut eklig fand (was ich nicht bestätigen kann). Auch sonst stand zumindest für diese Jugendlichen ihre Religion nicht im Mittelpunkt, sie waren genau „wie du und ich“ (vielleicht mit der Ausnahme, dass sie aber immer noch Ferien haben, weil die Lehrer in Israel streiken, d.h., sie haben mal eben einen Monat Zusatzferien…).
Am Montag hieß es dann aber bereits von den neu gewonnenen Freunden Abschied nehmen, und wir fuhren bis auf unseren einen Betreuer und seine „Unterhaltung“, die sich in die deutsche Botschaft nach Tel Aviv begeben musste, da unserem Betreuer der Rucksack inklusive Pass, Geld usw. geklaut worden war, nach Jerusalem.
Die erste Station dort war Yad Washem, die zentrale Holocaustgedenkstätte Israels. Sehr bewegend war dort vor allem die Gedenkstätte für die im Holocaust getöteten Kinder. Diese bestand aus einem einzigen Raum, der aber komplett verspiegelt war und der eine besondere Form besaß. In der Mitte dieses Raumes befand sich eine einzige Kerze, die sich jedoch so oft wieder spiegelte, dass es schien, als befände sich in diesem Raum ein kompletter Sternenhimmel. Von irgendwoher in dem Raum wurden die Namen, das Alter und das Herkunftsland von den getöteten Kindern dazu verlesen.
Am Dienstag ging es dann im Sight-Seeing-Marathon durch die Altstadt, wo wir die Grabeskirche, die Klagemauer, die Dormitierkirche und die Lutheranerkirche besichtigten, den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee durften wir nur von weitem betrachten. Dabei haben wir dem arabischen, jüdischen, armenischen und christlichen Viertel einen Besuch abgestattet. Anschließend ging es auf den Basar, der sich durch ein endloses Gewirr von Gassen hinzog, bis wir am Mittwoch schließlich wieder heimflogen.
Besonders in Jerusalem gab es zwar praktisch an jeder Straßenecke Soldaten mit Gewehren, teilweise auch in Zivil, aber insgesamt habe weder ich noch ein anderes Mitglied meiner Gruppe sich je bedroht oder in Gefahr gefühlt, denn mit der Zeit fallen die Gewehre auf dem Rücken der Soldaten nicht mehr auf. Durch die Gespräche und Besuche bei vielen Leuten und von verschiedenen Orten vom Jugendhilfezentrum bis zum 5-Sterne-Hotel habe ich viele Seiten dieses Landes kennen gelernt und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich, wenn ich wieder die Möglichkeit bekommen sollte, dorthin zu fliegen, diese auf jeden Fall wahrnehmen möchte und das nicht nur wegen des angenehm warmen Klimas oder den einzigartigen Sehenswürdigkeiten. Es hat schließlich auch was, wenn man sagen kann „Ich bin in Israel über den Jordan gegangen- und trotzdem wieder gekommen!“ ;)
Shalom et Lehitraot!
(Tschüss und auf Wiedersehen!)
Eure Tina Nowak
Das politische Thema, dass die meisten Leute mit Israel assoziieren ist wohl unbestritten der palästinensisch-israelische Konflikt, denn immer wieder hört man in den Nachrichten von Terror und Gewalt im Gaza-Streifen oder dem Westjordanland. Teilweise werden auch viele Menschen denken, dass es ja nichts Neues mehr ist, schließlich ist die Gewalt in diesem Gebiet schon fast alltäglich. Doch was wissen die meisten Leute überhaupt über diesen Konflikt hinaus von diesem Land, bzw. was sollten sie wissen?
Zuallererst muss man feststellen, dass Israel in vielerlei Hinsicht Besonderheiten aufweist.
Als relativ junger Staat mit heute ca. 7 Millionen Einwohnern befindet sich Israel praktisch vom Beginn seiner Existenz an im Kriegszustand, und wenngleich auch z.B. mit Jordanien und Ägypten Friedensverträge existieren, so äußert sich dies immer wieder in gewaltbehafteten Auseinandersetzungen, wie es z.B. erst 2006 im Libanonkrieg mit der Hisbollah oder mit der Hamas in Gaza deutlich wurde. Aufgrund dieser ständigen Kämpfe hat Israel als einziges Land der Welt eine Wehrpflicht nicht nur für Männer, die diese für mindestens 3 Jahren ableisten müssen, sondern auch für Frauen (für diese beträgt diese allerdings nur 2 Jahre).
Des Weiteren gilt in Israel die allgemeine Religionsfreiheit, wodurch sich die Bevölkerung aus verschiedensten Religionen, d.h., zu etwa 15% aus Muslimen, zu jeweils etwa 2% aus Christen und Drusen, einer Religion, die sich vom Islam abgespalten hat, und zum Großteil, also etwa 80% Juden, zusammensetzt. Dabei unterhält aber auch jede Religion ihre eigenen kulturellen, religiösen oder karitativen Einrichtungen unter weitgehender Selbstverwaltung, ja jede Religion verfügt sogar über eigene Gerichte, die z.B. in Fragen des Personenstandes
(also z.B., wer wen heiraten darf usw.) volle Gerichtsbarkeit besitzen. Ein normales Standesamt für Heiraten zwischen Mitgliedern verschiedener Religionen gibt es in Israel nicht, jedoch wird jede Heirat, wenn sie in dem Land, in dem sie geschlossen wurde, als solche anerkannt wurde, auch in Israel anerkannt. Insofern ist der Einfluss staatlicher Institutionen auf die Religionen an sich aber sehr gering, der Einfluss der Religionen auf das tägliche Leben aber verhältnismäßig hoch, so ist z.B. der Ruhetag, wie er für die Christen der Sonntag ist in einer jüdischen Firma der Samstag ( Sabbat) und für Muslime der Freitag.
Doch nicht nur verschiedene Religionen prägen das bunte Mischmasch in der israelischen Gesellschaft, sondern auch verschiedene Kulturen, was aus der Tatsache resultiert, dass Israel ein Einwandererstaat in etwa von der Größe Hessens ist, dessen Bevölkerung im Laufe der Geschichte durch äthiopische, osteuropäische oder arabische Einwanderer auf 7 Millionen angewachsen ist. Aber ein Problem hinsichtlich der Gesellschaft besteht z.B. darin, dass zwar z.B.: zwischen der nichtjüdischen und der jüdischen Gesellschaft nur wirtschaftliche, aber kaum gesellschaftliche Beziehungen im privaten Bereich gepflegt werden und das Verhältnis im Allgemeinen sehr durch Vorurteile geprägt ist, so leben beide praktisch nebeneinander aber nicht mit einander. Das merkten wir z.B. auch, als der Rucksack unseres Betreuers verschwunden war und wir unsere israelischen Freunde darauf aufmerksam machten. Deren erste Reaktion bestand in dem Satz „That have been these fucking arabs!“.
Wer nach Israel kommt wird zumindest jetzt nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass Israel an Wasserarmut leidet, denn z.B. der internationale Flughafen „Ben Gurion“ in Tel Aviv ist mit vielen Wasserspielen etc. ausgestattet und man findet überall öffentliche Toiletten etc. , aber tatsächlich ist die Wasserversorgung ein relativ großes Problem für Israel (wie aber auch in vielen anderen Teilen der Erde). Das größte Trinkwasserreservoir ist der See Genezareth, der vom Jordan gespeist wird. Der Jordan wiederum fließt durch die Golanhöhen, die eigentlich zu Syrien gehören, aber von Israel annektiert sind, und Israel wird diese Annexion wahrscheinlich auch eher nicht aufgeben, da es im wahrsten Sinne des Wortes fürchten muss, dass Syrien ihm das Wasser abdreht. Insofern gelten die kriegerischen Auseinandersetzungen nicht nur Siedlungsraums- sondern auch Wasseransprüchen usw..
Da das hier ja eigentlich ein politischer Artikel sein soll möchte ich nun auch noch einmal ganz konkret auf die Politik zu sprechen kommen.
Die Sperrklausel für die Knesset, also das israelische Parlament liegt bei verhältnismäßig niedrigen 1,4 %, was es vielen Parteien (z.B. Kadima, Likud, Arbeiterpartei etc.) ermöglicht, ins Parlament zu kommen. Das gemeinsame Bestreben aller Parteien ist dabei die Herstellung eines dauerhaften Friedens für Israel, jedoch vertreten die Parteien verschiedene Auffassungen wie dies zu erreichen sein soll. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Modelle zur Festlegung der Grenzen, bzw. um mögliche Gebietsabtritte Israels an die Palästinenser (dabei gilt in etwa je linker die Partei, desto größer die Bereitschaft dazu), da eine Einstaatenlösung des Konflikts heute weitestgehend als irreal eingeschätzt wird.
Auf der Gegenseite zu den israelischen Parteien befinden sich im Palästinenserkonflikt die PLO (Palestine Liberation Organisation) und die Hamas. Die PLO ist weitestgehend zu Friedensverhandlungen und Kooperation bereit, aber hat durch Korruptionsaffären seit dem Tod Arafats an Anerkennung eingebüßt, wodurch die Hamas gestärkt wurde. Die Hamas ist eine weniger zu Verhandlungen bereite Organisation, die sehr gewaltbereit ist, vom Iran unterstützt wird und die Idee verfolgt, Israel zu vernichten und den islamischen „Gottesstaat“ zu errichten. Die Hamas unterhält durch die iranischen Subventionen Kindergärten und Schulen in den Palästinensergebieten, in denen sie ihre stark religiös geprägten Ansichten den Kindern bereits sehr früh mit auf den Weg geben und somit ihre Anhänger rekrutiert. Genauso gibt es aber immer auch noch palästinensische Flüchtlingslager, die natürlich ebenfalls einen guten Nährboden für die Ideologie der Hamas bilden.
Ein anderer Ansatz zu Gebietsabtretungen etc. wäre also, den Nährboden durch innenpolitische Neuerungen teilweise abzutragen, indem z.B. in den Palästinensergebieten eine systematische Infrastruktur errichtet wird und eine Wirtschaft aufgebaut wird, die Arbeitsplätze schafft und somit den Palästinensern eine Verbesserung ihres sozialen Status ermöglicht.
Tina Nowak