
…wird es wohl auch in Papierform geben. Doch in der Neuzeit des Internets und der Blogger möchten wir Euch, auch online die Möglichkeit geben unserer Projekt zu verfolgen. Hier werden wir - exclusiv - und ungeschönt über die Pannen, die schönsten Geschichten und der Unlangeweile unserer Proben berichten. Es wird also spannend und Tine nannte es schon liebevoll unserer Traumtagebuch. Aber ich glaube, das zielte eher darauf ab, weil das Papiertagebuch ein grauer Hefter war :)…
Theaterprobe die Zweite.
Kurz nach halb sechs waren auch die letzten im Projekttheater angekommen und wir nahmen sofort den kleinen aber feinen Raum in Beschlag. Unser eigener Raum, zumindest in nächster Zeit, jeden Dienstag.
Nach kurzer Begrüßung und kurzem Ablaufplan, ging es auch gleich mit einer Abwandlung des Klatschkreises los. Wir schickten ein ?Swisch? (sprecht das mal ganz schnell mehrmals hintereinander aus) im Kreis herum, schickten es mit einem ?Boing? wieder zurück, und ?ballerten? es mit einem ?Peng? quer durch den Kreis.
Auf einmal waren keine Jugendlichen mehr im Raum sondern lauter Pinguine die von zwei Störchen gejagt wurden. Dabei geht es darum, dass jedes Tier nur in seiner Fortbewegungsart gehen darf, der Pinguin macht kleine schnelle Tippelschritte und der Storch nur große langsame Stakschritte. (kann man sich vorstellen wie das aussah?) Konzentration ist dabei wichtig, denn ein Pinguin in ?Todesangst?, neigt dazu mit großen Schritten davon zu rennen und auch ein Storch vergisst in seinem Jagdeifer einmal, dass er zum Fangen nur seinen ?Schnabel? (Hände werden zum Schnabel) benutzen darf.
Nach unserem Ausflug in das Tierreich, hieß es ?Bühne frei? für alle. Jeder hatte die Aufgabe sich auf der Bühne mit Namen, Alter, Hobby und einer Eigenschaft die typisch für ihn ist, vorzustellen. Dabei war es wichtig, dass die Art wie er auftritt schon sein Hobby oder eine Eigenschaft darstellt. Nach kurzer Überwindungsphase ging es los. Es ist schon am Anfang komisch, wenn einem alle zusehen. Aber jeder hatte am Ende eine tolle Idee. Da war alles dabei. Ein Mädchen kam telefonierend auf die imaginäre Bühne, ein anderes machte Hanstand und Rad, zwei Jungen lernten sich beim Volleyballspielen kennen, ein weiteres Mädchen ritt auf die Bühne. Es gab stürmische Auftritte, vergessliche, zaghafte, fröhliche, spannende und aufgeregte.
Danach begann das große Laufen. Im normalen Schritttempo ging es durch den Raum. Niemand durfte umgerannt werden, der ganze Raum sollte ausgenutzt werden. Zumindest waren das die Spielregeln am Anfang. Später wurde es komplizierter. Es gab mehrere Geschwindigkeitsstufen, von ganz langsam, bis fast rennend und es kam noch die Zeitlupe dazu. Als wenn das nicht schon anstrengend genug wäre, hieß es dann auch noch ?auf Knopfdruck? reimen. Einer beginnt einen Reim, tippt im Laufen/Schleichen/Rennen einem Anderen auf die Schulter, dieser muss den Reim zu Ende führen und sich einen Neuen ausdenken. Dabei entstanden Geistreiche Reime wie ?Wir laufen schon die ganze Zeit, aber nicht mehr weit.? oder ?Es ist jetzt halb sieben, du wirst bald eine Schwester kriegen.? ?Volleyball macht Spaß, was ich glatt vergaß.? ?Der Fußboden hat einen Riss, beim Spiel gibt?s viel Beschiss.? Eine lustige Sache aber zugleich sehr anstrengend, weil ich immer noch Befehle wie ?Stop? und die Tempoangaben hineinrief, und manche Reime im allgemeinen Lachen untergingen.
Danach ein Spiel bei dem es um schnelle Reaktion geht. Einer steht an der Wand mit dem Rücken zu den Anderen. Diese müssen versuchen sich an ihn heranzuschleichen und ihn abzuschlagen. Dabei kann sich die Person ständig herumdrehen und jeden den sie in einer Bewegung erwischt, wieder zurückschicken. Sofortiges Erstarren ist also gefragt. Hierfür teilten wir die Gruppen aus Platzgründen.
Eine Gruppe ging mit Sven in den Hof hinunter, die andere blieb mit Kathrin und mir oben. (Sauerstoffbedingungen hatte die Hofgruppe eindeutig bessere und ich weiß immer noch nicht was Sven unter dem Fenster für Theatereinlagen machte?) <- Anmerkung Sven : Er versuchte sich in improvisierten Romeo und Julia Szenen :).
Sogar fleißig waren an diesem zweiten Probendienstag alle und die Jungen bewiesen uns, dass sie tatsächlich wussten wie man Wäsche fachmännisch aufhängt. Pantomimisches Wäsche aufhängen war die Aufgabe. Als nächstes dann in Zeitlupe. Es war höchst bedenklich das die Herren unter uns am langsamsten Wäsche aufhängen konnte. Entweder war es Können im Zeitlupenspiel oder fehlende Übung. Sicherlich ersteres.
Als vorletzte Aktion des Abends testeten wir unser Namensgedächtnis. Ich frage mich wirklich, wie es eigentlich alle Jugendlichen geschafft haben, diese sich so ähnlich klingenden Namen so gut drauf zu haben. Die ?ältere Generation? hatte damit dann doch gewisse Schwierigkeiten und hörte immer nur Anna, Anne, Tina und Lisa. (Annes sind in unserer Gruppe wirklich Sammelbegriffe)
Bei der letzten Aufgabe bildeten sich vier Gruppen und jede hatte ungefähr fünf Minuten Zeit sich ein kurzes 2-3 minütiges Stück zu überlegen, nach dem Thema ?Freitag nach der Schule? und dieses dann vor den anderen drei Gruppen vorzuspielen. Die Anfangsscheu war längst verflogen und jede Gruppe traute sich ohne große Überwindung. Vielleicht lag es auch daran, dass man sich in einer Gruppe am Anfang einfach noch wohler fühlt. Auch hier kamen ganz tolle Kurzstücke heraus. Es ist interessant was so nach der Schule alles gemacht wird. Von Tanzen über Fernsehgucken bis hin zu Kino und Telefonieren war alles dabei.
Am Schluss gab es noch eine kurze Runde, bei der Sven seinen dicken Hefter auspackte und noch einmal kurz erklärte, dass wir ja letztes Mal schon besprochen hatten, die Gruppe zu teilen. In eine Gruppe die sofort damit beginnt ein Märchen einzustudieren und in der Vorweihnachtszeit damit auftreten wird und in eine zweite Gruppe die sich langsamer an das Theaterspielen herantasten wird, mit vielen Partner-, Sprach-, Konzentrations- und Improvisationsübungen bis Ende des Jahres. Zu unserer Überraschung teilte sich die große Gruppe in zwei fast gleichstarke Gruppen und somit wurde das zweite Theatertreffen mit viel Spaß und etwas Anstrengung beendet.
Es hat total Spaß gemacht mit euch.
Tine
Schon vor den Jugendlichen waren wir, Tine, Caro und ich, da und hatten schwitzige Hände. Denn nun sollte es also beginnen unseres erstes großes Projekt mit 28 Jugendweihlingen auf einer Liste und der Maßgabe des „Roten Baum e.V.“ Dresden ein Theateprojekt zu machen…
Wir hatten uns extra schon eine Stunde vorher getroffen, um letzte Absprachen zu treffen. Gut, die Caro erwischte uns dabei, das wir 20 Minuten zu spät dran waren (Tine und ich hatten uns am Neustädter Bahnhof getroffen und festgestellt, das Pünktlichkeit eine Tugend ist.), aber meine Person entschädigte Sie mit einem mitgebrachten Stück Torte…
So schmiedeten wir kräfig Pläne, wie wir die erste Probe anlegen würden und stellten fest, das so ein kreatives Projekt, auch erstmal mächtig viel Orgkram mit sich bringt. Doch selbst die Ersten, viel zu früh eingetrudelten Jugendlichen, brachten uns nicht aus dem Konzept…
Deshalb konnte, um (fast) pünktlich 17:30 Uhr ein neues Projekt im Jugendhaus des „Roten Baum“ geboren werden. Zwischen durch bestand mal Angst, das viele nicht kommen, aber spätestens eine Viertelstunde später schauten uns 24 interessierte Augenpaare an. Nun gab es erstmal eine Vorstellungsrunde unseres Betreuerteams - sozusagen die Hebammen des Projekts ;) -, darauf eine kurze Einleitung zum Projekt (Tine hatte mir vorher schon angedroht mich notfalls im Redefluss zu bremsen, stellte dann aber enttäuscht fest, das ich wohl zu müde war große Rede zu schwingen) und dann waren auch schon die Jugendlichen dran…
Wir waren erstaunt, wieviel Theater Erfahrung die Jugendlichen schon mitbringen und von dem großen Interesse am Theater spielen. Das kann ja nur positiv sein für unsere Probenarbeit…
Nun teilten wir vier Gruppen ein und stellten die Fragen in den Raum : *Was erwartet Ihr von dem Projekt?„ und "Wann möchtet Ihr Proben und was wollt Ihr überhaupt nicht?“, die sie nun in Gruppe beratschlagen und beantworten sollten…
Die Ergebnisse wurden 10 Minuten später, dann nacheinander präsentiert, natürlich sind diese Daten streng vertraulich trotzdem ein paar Auszüge :
Danach gab es eine Einführung in das Projekt von mir, was wir für Ziele haben als Betreuer und was wir gern machen würden mit den Jugendweihlingen…
Denn wir werden die Jugendlichen in zwei Gruppen teilen, sodass wir mit der ersten Gruppe bis zum Dezember an einem Märchen arbeiten möchten. Mit dem wir, dann in der Vorweihnachtszeit in Kinderheimen, Ayslbewerberheimen oder ähnlichen Einrichtungen auftreten können. Doch das Märchen wird kein ala Es war einmal…, sondern ein aufgepepptes Neuzeitmärchen. Dazu aber an anderer Stelle mal…
Die zweite Gruppe wird sich im Gegensatz zur ersten Gruppe noch mehr dem spielerischen Teil von Theater widmen. Erstmal lernen, was Theater ist, wie Sprachübungen funktionieren, warum nicht jede Improvisation Sinn ergibt und sich auf Partnerbeziehungen einzulassen. Dann wird es die ersten inhaltlichen Schritte legen für unser großes abschließendes Projekt, welches uns ab Januar 2007 beschäftigen wird. Ein Stück übers Erwachsen werden dort werden dann beide Gruppen wieder vereint und ein Bühnenstück bauen aus den Bausteinen Maske, Technik, Kulissen, Kostüme und Schauspiel…
Nach dem letzten Orgkram konnten wir endlich den stickigen Jugendhaus Raum verlassen (Warum hat eigentlich niemand ein Fenster aufgemacht?) und im Freien, die ersten noch nicht so koordinierten Theaterübungen machen. Dabei stellte sich heraus, das zwei Gruppen wirklich von Nöten sind, denn 26 Menschen verlieren sich im Chaos.
Um 19:00 Uhr nach dem die Jugendweihlinge unsere Kulis mit Ihren Ausweisen gestürmt hatten hieß ja die „erste Probe“ ist vorbei. Verschwitzt, ein wenig Müde klopften wir uns moralisch auf die Schulter und waren zufrieden mit uns und dem Start des Projekts…
Nebenher können wir noch berichten, das wir mit Projekttheater in der Neustadt (Danke an die Rica!!!) und dem Theater „Junge Generation“ zwei starke Partner ins Boot holen konnten, die uns bei unseren ersten Schritten im Theaterkosmos unterstützen…
Toll fanden wir es, auch das mit Katrin spontan noch jemand 5. zu uns stiess und Lust hatte auf Theater. Herzlich Willkommen, liebe Katrin in unserem Theaterprojekt…
Das wars für heute, doch schon morgen wird es anders sein. Doch dazu später mehr im nächsten Tagebucheintrag…
…der Sven ;).