Über uns Hier ein kurzer Radiobeitrag zu den Kürzungen vom 10.03.2010.
Sehr geehrte Besucherin, sehr geehrter Besucher!
Am 28. Januar des Jahres 1993 erblickte der Jugendverein „Roter Baum“ e. V. das Licht des bürgerlichen Rechts, denn ca. 50 junge Menschen hoben bei der Frage des Versammlungsleiters Ralf Seifert: „Wer möchte dieser Satzung so zustimmen?“ ihre Hand. Manchem erscheint es auch heute noch abenteuerlich, in Zeiten struktureller Enthaltsamkeit Jugendlicher (Studien meinen, Jugendliche würden sich keiner Organisation anschließen wollen) einen Verband aufzubauen, der vom dauerhaften Engagement junger Menschen lebt. Dennoch, wenn man den Begriff eines Verbandes nicht konservativ im Sinne der Inhaberschaft eines Mitgliedsausweises (mit komplett nachgewiesenem Beitrag) sowie der Teilnahme an den wichtigen Versammlungen der Ortsgruppe und des Kreisverbandes definiert, dann sind wir auf gutem Wege, dieses Abenteuer zu bestehen.
Junge Menschen begleiten uns bei dieser Arbeit, sind am Anfang nur Nutznießer, Teilnehmer an den Ferienlagern, an der Jugendweihe, übernehmen selbst Aufgaben, sind kurze Zeit später Programmgestalterinnen und Programmgestalter in den Jugendhäusern und Betreuer bei Fahrten und Ferienlagern. Wenn ich dann als Vorsitzender unerkannt von Jugendlichen erklärt bekomme, was der Rote Baum ist – „Da darf jeder hinkommen, nur keine Nazis!“ oder „Beim Baum küsst man eben öfter als in anderen Jugendhäusern!“ – wenn die Zugehörigkeit zum Roten Baum jenseits des Mitgliedsausweises so selbstverständlich ist, dann weiß ich, dass unser Weg richtig ist.
Tilo Kießling
Vorsitzender von 1993 bis 2003
17 Jahre gibt es den Roten Baum nun schon und die stehen unserer Meinung nach nicht nur für viele Jahre des aktiven Engagements in der Sächsischen und insbesondere in der Dresdner Kinder- und Jugendarbeit, sondern auch für Jahre der sozialen Heimat junger Menschen. Und so wie die Wurzeln des Roten Baumes mit jedem Jahr weiter in hiesige und dortige Jugendhilfe- und Kulturlandschaften wuchsen, stieg nicht nur die Zahl der jungen Menschen, die wir mit unserer wertevermittelnden Jugendarbeit erreichten, sondern auch die unserer engagierten MitstreiterInnen. Von diesen vielen mitgestaltenden Köpfen und Händen lebte und lebt das Phänomen Roter Baum und seine Projektvielfalt:
Ferienlager, Jugendweihen, Jugendhäuser, Beteiligungs-, Bildungs- und Schulprojekte, Vereins- und Verbandskultur, stadtteilbezogene, wie auch internationale Arbeit und die in den letzten Jahren entstandene Streetwork – die Liste unserer heutigen Betätigungsfelder ist mittlerweile lang.
Und wenn wir es jemandem zu verdanken haben, zu einer festen Größe der regionalen und überregionalen Jugendarbeit und Vereinslandschaft gewachsen zu sein, dann vor alledem den Menschen, die sich zum größten Teil ehrenamtlich und wenn hauptamtlich, dann stets über eine etwaige „Pflicht“ hinaus, liebevoll für diesen Verein engagieren. Dass der Roten Baum daneben mittlerweile in den Köpfen und Kulturvorstellungen der Menschen verankert ist, verdanken wir nicht nur dem Engagement und unserem umfassenden Bildungsanspruch, sondern wohl auch unseren gemeinsamen Werten und Vorstellungen, die uns zwar (wie manche Konservative sagen) etwas unkonventionell machen, aber in der Begegnung mit jungen Menschen eben jene gesellschaftskritischen Fragen aufwerfen, deren Diskussion wichtig ist, wenn man sich als Heranwachsender ein Bild von der Welt verschaffen will. Und ja, wir nehmen uns das Recht heraus, vor sozialen, ökologischen, kulturellen und politischen Fragen und Entwicklungen, sowie vor Fragen zu Erziehung, Bildung, Demokratie und Toleranz nicht die Augen und Münder zu verschließen.
Dieses kritische Hinterfragen versuchen wir in unserer Arbeit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen näher zu bringen und wie es scheint, ist das Tun unserer vielen MitmacherInnen und Freunde wichtiger Bestandteil einer facettenreichen und demokratischen Jugendhilfelandschaft.
Grund genug, den Stützpfeilern des Roten Baums, diesen jungen Menschen und gleichsam gestaltenden BürgerInnen von Dresden und auch Leipzig, Zwickau und Berlin einen als gemeinnütziger Verein vielmehr symbolischen, aber dafür umso liebevolleren Dank auszusprechen und unseren gesamten Jugendverband einer Inventarisierung zu unterziehen. Denn was sollte ein Jugendverband inventarisieren, wenn nicht jene engagierten MitmacherInnen?
Martin Krappmann
1. Vorsitzender seit 2008
Nein, wenn wir an sie denken, denken wir nicht nur an den Ordner ganz hinten im Büro, der doch noch alles erklären kann und auch nicht nur an die Keksdose, die uns nach 5 Tagen Ferienlagerregenwetter ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Jene junge Frau, die sich seit vielen Jahren für den Roten Baum engagiert, verlieh dem Jugendverein auch sechs Jahre lang als Leiterin unserer Geschäftsstelle, Projektleiterin Ferienfreizeiten und als Geschäftsführerin ihr Gesicht und Profil. Und wer genau hinsah, konnte es in der Ferienlagerzeit des Nachtens auch manchmal auf dem kleinen Sofa in unserer Geschäftstelle entdecken…
Ihr feiner politischer und sozialer Geist, ihr überzeugtes Engagement in der Kinder- und Jugendhilfe, ihr gesellschaftlicher Gestaltungswille und auch der in unserem Verein, sowie ihre liebevolle Pflege aller unserer MitmacherInnen und Baumkinder gaben und geben dem Roten Baum das sichere Gefühl, ein gegenseitiges zu Hause gefunden zu haben.
Am 13.11.09 inventarisierten wir sie also feierlich mit vielen MitmachInnen vor, in und auf unserem Jugendhaus in Pieschen. Unter falschem Vorwand dort hin gelockt, musste sie dann – ganz ihrer neuen Arbeit gemäß – vom Balkon zum Volk reden und wurde natürlich zu recht bejubelt. Und während wir später mit ihr tranken, aßen und schwatzten wurde uns eines wieder klar: Sie ist eine von uns, sie ist inventarisiert.
Ein Dankeschön an Anne Klepsch.